Heute starten am UNO-Hauptsitz Vorverhandlungen zu einem rechtsverbindlichen Vertrag zum Schutz der Hochseegewässer. Mit dabei: Der spanische Star-Schauspieler Javier Bardem („Skyfall“, „Mar adentro“, „Pirates of the Caribbean“). Er richtet eine Rede an die Delegierten und fordert darin einen umfassenden Meeresschutz. 

«Ich hatte das grosse Glück, die eisigen Grenzgebiete unseres Planeten besuchen zu dürfen. Letztes Jahr nahm ich an einer Greenpeace-Expedition in die Antarktis teil und erforschte den Zustand unserer Meere. Die unglaubliche Vielfalt des Lebens, die ich dort gesehen habe, möchte ich den Menschen näher bringen, die vielleicht nie die Chance haben werden, dies mit eigenen Augen zu sehen. Ich sah Pinguine ins Wasser tauchen, ich sah das Eis in unzähligen Weiss- und Blautönen schimmern, eine Welt der Wunder und majestätischer Wale. Zusammen mit renommierten Wissenschaftlern quetschte ich mich in ein winziges U-Boot, um in die Tiefen der Ozeane abzutauchen, in eine Welt, in der nur eine Handvoll Menschen je zuvor gewesen waren. Ich fühlte mich von der Natur umarmt.»

Schauspieler und antarktischer Botschafter Javier Bardem in einem U-Boot, das vom Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise gestartet wird und den antarktischen Meeresboden auf rund 270 Metern Tiefe in der Charlotte Bay vor der Gerlachenstraße erkundet.

«Aufgrund dieser Erlebnisse war ich besonders frustriert zu erfahren, dass die Mitgliedstaaten der Kommission für die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) es versäumt hatten, ein Schutzgebiet zum Schutz des Antarktischen Ozeans, zu schaffen. Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse sind einige Staaten nun in der Lage den Schutz aufzuheben, und ihre kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Das so etwas überhaupt möglich ist, veranschaulicht im kleinen Rahmen das kaputte Systems, in dem wir derzeit leben. Ich fordere Sie daher auf, diesen Fehler nicht noch einmal zu begehen.»

Der Schauspieler Javier Bardem betrachtet Kinnriemenpinguine, nachdem er auf der King George Island in der Antarktis angekommen war, um sich dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise bei einer Expedition zur Unterstützung des grössten Schutzgebiets der Erde, einem Antarktischen Ozean-Schutzgebiet, anzuschliessen

«Wir alle sind auf unserem blauen Planeten vom Meer umgeben, auch wenn wir uns – wie gerade in diesem Raum – manchmal weit davon entfernt fühlen. Vielleicht sind die vielen Bedrohungen, denen unsere Ozeane ausgesetzt sind, deshalb so weit von unseren Herzen entfernt: Plastikbelastung, Überfischung, Bergbau, Bohrungen, Versauerung der Ozeane und nicht zuletzt der Zusammenbruch des Klimas.

Unsere Ozeane stehen heute mehr unter Druck als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Aber wir stehen an einem Scheideweg. Sie alle in diesem Raum stehen an einem Scheideweg. Und Sie tragen eine immense Verantwortung, individuell und kollektiv, um uns wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Ich kann nicht anders, als mit jeder Faser meines Körpers zu spüren, dass wir als Lebewesen auf diesem kostbaren Planeten einen sehr gefährlichen Weg eingeschlagen haben. Man muss kein Experte sein, um zu verstehen, was gerade geschieht. Alles, was wir jetzt tun müssen, ist es, auf die Wissenschaft zu hören und auf die vielen Zeichen, die die Natur uns sendet.»

Javier Bardem, Sandra Schoettner, der Filmemacher Alvaro Congoria und Carlos Bardem mit einem deutschen Banner an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise.

«Unsere Ozeane stehen kurz vor dem Zusammenbruch, und wir alle tragen die Verantwortung dafür. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle unseren Teil dazu beitragen, diesen Kollaps zu stoppen. Allen voran Sie, die Sie sich in diesem Raum befinden.

Ohne die Meere würde die Erde schlicht und ergreifend nicht funktionieren. Und es sind SIE, die Delegierten HIER und HEUTE, die mit dieser enormen Verantwortung betraut sind. Sie sind es, die an dem Scheideweg stehen. Sie sind es, die diese historische Chance haben. Sie sind es, die das Ruder herumreissen können, nicht nur für die Meere und das Leben in ihnen, sondern für den gesamten Planeten, für die Millionen von Menschen, die zum Überleben auf gesunde Ozeane angewiesen sind, und für unsere Kinder und zukünftigen Generationen, an die wir diesen Planeten weitergeben.

Ich bin bloss ein Vertreter von vielen Menschen weltweit, die wollen, dass diese Wende geschieht. Da draussen, ausserhalb dieses Raumes, ist eine wachsende weltweite Bewegung von Millionen Menschen, die den Schutz unserer Ozeane und mit ihnen den der Wale, Schildkröten, Pinguine und all der anderen unglaublichen Lebewesen, die in ihnen leben, fordert. Die Welt schaut zu, wie dieses Abkommen ausgehandelt wird, und dieses Mal können wir uns keine Fehler mehr erlauben.

Ich bin hierhergekommen, um meinen Teil dazu beizutragen, und ich bitte Sie, Ihren Teil beizutragen, indem Sie sich zu einem starken Abkommen verpflichten, auf den wir alle stolz sein können: ein Abkommen, das tatsächlich sichere Häfen für die Erholung der Meereslebewesen schaffen kann.

Die Ozeane gehören uns allen, aber ihr Schicksal liegt jetzt in ihren Händen. Der Instinkt zu schützen ist eine der edelsten Eigenschaften der Menschheit. Bitte verkörpern Sie dieses Prinzip. Bitte schützen Sie unsere Ozeane.»

Javier Bardem spricht bei den Vereinten Nationen: «Die Meere brauchen uns.»

Uno-Verhandlungen zum Schutz der Hochseegewässer

Die UNO berät in New York bis Frühjahr 2020 einen rechtsverbindlichen Vertrag zum Schutz der Hochseegewässer. Die Hohe See beginnt 200 Meilen vor den Küsten und bedeckt fast die Hälfte der Erdoberfläche.

Bisher ist sie ein weitestgehend rechtsfreier Raum, der Selbstbedienung sind keine Grenzen gesetzt: Flotten von Fischtrawlern durchpflügen die Meere – bis zu 300‘000 Wale und Delfine verenden so jährlich als Beifang. Viele kommerziell genutzte Arten stehen am Rande der Ausrottung, Lizenzen für Rohstoffabbau bedrohen noch unerforschte Meeresregionen.

Greenpeace befindet sich derzeit mit dem Schiff Esperanza zusammen mit Wissenschaftlern auf einer einjährigen Meeres-Expedition, um zu zeigen welche Geheimnisse die Hohe See birgt und welchen Gefahren sie ausgesetzt ist. Bisher ist nur rund ein Prozent der Hohen See geschützt.

Greenpeace und britische MeeresforscherInnen haben einen Vorschlag erarbeitet, um mindestens ein Drittel der Hohen See vor menschlichen Eingriffen zu bewahren. Das Greenpeace-System verknüpft Lebensräume mit hoher biologischer Vielfalt und Routen für wandernde Arten: Viele Meerestiere wie Wale, Schildkröten oder Albatrosse legen zwischen Kinderstube und Nahrungsgründen grosse Entfernungen zurück.