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In Schweizer Fleisch steckt längst nicht nur Schweiz. Unsere Landwirtschaft ist nämlich stark abhängig von importiertem Futtermittel: Über die Hälfte des Kraftfutters wird im Ausland gekauft. Die von Greenpeace Schweiz soeben veröffentlichte Broschüre «Der Futtermittel-Schwindel» räumt auf mit dem Märchen der Fleischindustrie. Eine Reform ist überfällig!

Mehr als ein Viertel der Umweltbelastungen in unserem Land hängt mit der Ernährung zusammen. Die Produktion und der Verzehr tierischer Produkte ist zu einem grossen Teil dafür verantwortlich, denn die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln verursacht massenhaft Treibhausgase. 

In der Schweiz leben sehr viele Tiere. Der Tierbestand umfasste in den letzten Jahren immer etwa 15 Millionen Tiere. Die Zahl ist noch viel, viel höher, wenn man die Anzahl der Tiere betrachtet, die während eines Jahres in unserem Land gelebt haben: 74 Millionen. Entsprechend hoch sind auch die Schlachtzahlen, die bei über 75 Millionen pro Jahr liegen. Die Tiere werden gezüchtet, gehalten und geschlachtet, um unseren Hunger auf Fleisch, Milchprodukte und Eier zu stillen. 

Die Futtermenge, welche diese Tiere benötigen, ist immens. Unser Fleisch- Eier- und Milchkonsum ist aber überhaupt nicht an unsere lokalen Ressourcen angepasst. Die Schweiz hat schlicht zu wenig Ackerflächen, um die Tiere zu ernähren. Deshalb ist unsere Landwirtschaft total abhängig von importiertem Futtermittel. Seit 1995 haben die Einfuhren stark zugenommen und sich auf hohem Niveau stabilisiert. Jährlich werden rund 1,4 Millionen Tonnen Futtermittel in die Schweiz importiert, wovon rund 60 Prozent Kraftfutter mit hohem Energie- und Proteingehalt sind. Apropos Kraftfutter: Über die Hälfte davon wird im Ausland gekauft. In Schweizer Fleisch steckt also längst nicht nur Schweiz. 

Während Wiederkäuer wie Rinder sich mehrheitlich von sogenanntem Raufutter (Gräser, Kräuter, Klee etc.) ernähren, sind Schweine und Geflügel, aber auch die Hochleistungstiere in der Milchproduktion und in der Rindermast, auf Kraftfutter angewiesen. Letzteres wird meist auf Ackerland angebaut. 

Schweine können kein Raufutter verdauen und fressen darum viel Kraftfutter aus dem Ausland.

Rund die Hälfte der Fläche, welche für die Futtermittelproduktion für in der Schweiz lebende Tiere gebraucht wird, liegt im Ausland (ca. 200’000 Hektar). Auf diesen Ackerflächen wachsen Sojabohnen, Bruchreis, Futterweizen u.a. Durch die Importe wird das Klima gleich doppelt belastet: Einerseits verursacht der Futtermittelanbau selbst Treibhausgasemissionen im Herstellungsland. Andererseits erlaubt er es, in der Schweiz mehr Tiere zu halten, wodurch die Umweltbelastungen auch hier höher ausfallen.

Auch im Inland wird viel Ackerland für Futtermittel besetzt. Zieht man Kunstwiesen und übriges offenes Ackerland ab, stehen in der Schweiz noch rund 266’00 Hektar fruchtbarer Boden zur Verfügung. Fast die Hälfte dieser wertvollen Fläche, 43 Prozent, dient dem Anbau von Tierfutter wie Futtergetreide, Silo- und Grünmais sowie eiweissreiche Erbsen, Sojabohnen und Ackerbohnen. Es werden insgesamt also viel mehr Fläche und Energie für die Produktion von tierischen Lebensmitteln benötigt, als für die Produktion von Getreide oder Gemüse. 

Soja aus Brasilien für Tierfutter

Anhand von Soja lässt sich das Problem noch besser illustrieren: 70 Prozent des Proteins im Kraftfutter, das von Schweizer Viehzüchtern verwendet wird, wird importiert. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Soja aus Brasilien. Eines der wenigen Länder Amerikas, das gentechfreien Soja produziert, auch wenn nur zu einem geringen Anteil (4 Prozent). Obwohl die USA immer noch das wichtigste Produktionsland sind, boomt die Sojaproduktion vor allem in Brasilien. Die Sojaproduktion hat sich dort in den letzten zwei Jahrzehnten vervierfacht. Rund drei Viertel der globalen Sojaernte wird an Tiere verfüttert. In Brasilien wird sogar mehr als 90 Prozent als Tierfutter exportiert, Hauptimporteure sind neben den europäischen Ländern auch China.

Die Zunahme der Anbaufläche in Brasilien geht auf Kosten von fragilen Ökosystemen, die für die Biodiversität, den Menschen und das Klima essentiell sind. Das in die Schweiz importierte Soja für die Tierfütterung stammt hauptsächlich aus dem Mato Grosso, das sich über die einzigartigen Amazonas- und Cerrado-Biome erstreckt, der Lunge des Planeten und dem Wasserturm Brasiliens. Mit anderen Worten: Wir fördern durch unseren Konsum tierischer Produkte höhere Tierzahlen in der Schweiz. So sind wir auch mitverantwortlich für immer höhere Futtermittelimporte und die damit verbundene Katastrophe für unser Klima und die weltweite Biodiversität!

Schönfärberei auf unsere Kosten

Das Bundesamt für Landwirtschaft betreibt sogenannte Absatzförderung für verschiedene Schweizer Nahrungsmittel. Weitaus am meisten Geld fliesst in die Bewerbung von tierischen Produkten: Letztes Jahr waren es 39 Millionen Schweizer Franken. Im Vergleich dazu wirken die 8 Millionen Franken zur Förderung pflanzlicher Nahrungsmittel äusserst dürftig. Statt darauf hinzuarbeiten, dass in der Schweiz weniger Fleisch, Eier und Milchprodukte verzehrt werden, wird die Lust darauf weiter geschürt. Als Steuerzahlende unterstützen wir dies indirekt und werden so zu Mittäter*innen.

Empört dich das auch? Unterzeichne jetzt unsere Petition:

Ja, es geht anders

Dabei ist eine ökologische Landwirtschaft ohne Futtermittelimporte nicht einfach Träumerei. Berechnungen zeigen: Hierzulande könnten noch immer 94 Prozent der Schafe und Ziegen sowie 85 Prozent der Kühe und Rinder gehalten werden. Deutlich anders sähe es allerdings bei den übrigen Nutztieren aus: Der Bestand der Schweine ginge auf 39 Prozent und jener des Geflügels auf 17 Prozent zurück. Denn diese Tierhaltungen sind stark vom ausländischen Kraftfutter abhängig. 

Wenn man sich ausschliesslich auf die heimische Produktion von Futtermitteln stützt, kann die Schweiz jährlich weiterhin 349 Kilogramm Milch und Milchprodukte sowie 21 Kilogramm Fleisch pro Person produzieren. 

Damit erreichen wir aber unsere Klimaziele nicht. Deshalb setzen wir auf eine tiergerechte und ökologische Landwirtschaft (TOP Vision von Greenpeace). So könnten wir Schweizer*innen immer noch zirka  10 Kilogramm Fleisch, 48 Stück Eier und 273 Kilogramm Milch pro Jahr pro Kopf konsumieren.

Natürlich benötigt es dafür auch eine Veränderung im Speiseplan von uns allen: Wir essen zu viele tierische Produkte. Wir schaden damit nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit. Es gibt mittlerweile unzählige tolle Hilfen, um die Umstellung auf eine mehrheitlich pflanzenbasierte Ernährung zu erleichtern. Stöbere doch z.B. mal durch diese leckeren Rezepte.

Damit Bäuerinnen und Bauern auf ihren Betrieben wahre Alternativen zur Nutztierhaltung realisieren können (z.B. Kräuter- oder Haferanbau), ist eine umfassende politische Agrarreform notwendig. Hilf mit, den Druck auf die Politik zu verstärken, und fordere mit uns Veränderung ein: Unterschreibe unsere Petition und teile unsere Inhalte in deinem Netzwerk.  

So sieht eine ökologische und tiergerechte Landwirtschaft aus

  • Vielfältige, gesunde Nahrungsmittel werden standortgerecht und ökologisch produziert.
  • Betriebe verzichten auf Mineraldünger, und die Nährstoffkreisläufe sind weitgehend geschlossen.
  • Auf Ackerland wird kein Futtergetreide angebaut, und es werden auch keine Futtermittel oder tierische Produkte importiert.
  • Alle Nutztiere werden artgerecht gezüchtet, gehalten und ernährt.
  • Es werden keine chemisch-synthetischen Pestizide und möglichst wenig Tierarzneimittel eingesetzt.