Über 50 Prozent der Menschen in Europa haben keinen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Das steht in der neuen Studie «Access Denied: Transport Poverty in Europe»des deutschen Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace Zentral- und Osteuropa. In der Schweiz sind vor allem hohe Billettpreise ein Problem. Abhilfe schafft zum Beispiel die Mobilitätsbon-Initiative.
Die Hälfte der Bevölkerung fährt in rund 90 Prozent der europäischen Länder nur sehr selten Zug und Bus. Besonders gravierend: Über 50 Prozent der Menschen haben überhaupt keinen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmittel (ÖV). Das heisst, es gibt in ihrer Region schlichtweg keinen öffentlichen Nahverkehr.
Das sind zwei der zentralen Aussagen der Studie «Access Denied: Transport Poverty in Europe» des deutschen Öko-instituts im Auftrag von Greenpeace Zentral- und Osteuropa. Das Öko-Institut hat die vier Säulen der öffentlichen Mobilität in Europa analysiert: Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Preis und Angebot.
Die Unterschiede zwischen den Ländern sind zum Teil riesig. Die grössten ÖV-Defizite haben Deutschland, Frankreich, Österreich und Bulgarien – unter anderem wegen schlechten Verbindungen und stillgelegten Bahnstrecken, vor allem in ländlichen Gebieten
Die Schweiz fährt voraus
Nirgendwo in Europa fahren die Menschen mehr Zug und Bus als in der Schweiz. 19 Prozent nutzen den ÖV täglich. Nur 15 Prozent sind nie mit ihm unterwegs. Zum Vergleich: In Deutschland nutzt fast die Hälfte der Menschen (48 Prozent) nie den ÖV. Noch mehr Nichtnutzer:innen sind es in Frankreich (65 Prozent) und Italien (68 Prozent).
Hauptgrund für die ÖV-Verweiger:innen in der Schweiz sind gemäss Studie die hohen Billetpreise. Vielfahrer:innen schätzen dagegen besonders die hohe Fahrplandichte.
Greenpeace setzt sich in ganz Europa für erschwinglichen ÖV ein. Je nach Land bieten sich unterschiedliche Finanzierungsmodelle an.
Volksinitiative gegen hohe Preise
Beispiel Schweiz: Seit dem 28. April läuft die Unterschriftensammlung für die Mobilitätsbon-Initiative. Greenpeace unterstützt die Volksinitiative. Vielflieger:innen und Privatjet-Reisende sollen für ihre Mobilität bezahlen, weil sie besonders klimaschädlich reisen. Die Initiative verlangt eine Flugticketabgabe von mindestens 30 Franken und 500 Franken für Privatjets.
Ein Teil dieser Einnahmen soll in den Ausbau von grenzüberschreitenden Zugstrecken fliessen. Der grösste Teil geht jedoch direkt an die Bevölkerung. Das heisst, Menschen, die nicht oder wenig fliegen, fahren günstiger Zug. Sie zahlen weniger für ihre Billette.
Kontakt
Herwig Schuster, Verkehrsexperte bei der europäischen Greenpeace-Kampagne People over Greed, [email protected], +43 664 431 92 14
Roland Gysin, Medienstelle Greenpeace Schweiz, [email protected], 044 447 17 41


