Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander – und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das grün gehen?

«Free Willy» – Wer kennt den Film schon nicht? Ich war etwa acht Jahre alt, als ich ihn Zuhause zum ersten Mal auf VHS-Kassette (welch Nostalgie) sah – und seither mindestens zehn weitere Male. Ich erinnere mich genau daran, wie faszinierend ich den kleinen Jungen Jesse fand, den eine tiefe Freundschaft mit dem Orca Willy verband. Und an den gutherzigen Indianer Randolph, mit dessen Hilfe Jesse den Wal am Ende des Films aus der Gefangenschaft befreit – mit diesem unvergesslichen Sprung über die Felsen! Dazu noch die Musik von Michael Jackson: «Will you be there». Gänsehaut pur.

Der Film hätte mich damals wohl eines lehren sollen: dass Tiere nicht in Gefangenschaft gehören. Doch wie es bei Kindern halt so ist, steht die Unterhaltung im Vordergrund. Die Message dahinter begreift man erst Jahre später. Und so ging auch ich in meiner Kindheit auf die Suche nach Kaulquappen, die ich Zuhause in einem mit Wasser gefüllten Tupperware zu kleinen Fröschen züchtete. Oder holte Raupen aus dem Wald, um sie in einer mit Luftlöchern versehenen Schuhschachtel zu füttern. Und wie jedes Kind ging auch ich mit meinen Grosseltern in den Zoo. Unzählige Male. Erst heute ist mir bewusst, wie falsch das war.

<b>Bern/Zermatt. Pünktlich zum Arbeitsbeginn des Bundesrates haben Greenpeace-AktivistInnen heute in einer Blitzaktion unmittelbar vor dem Eingang des Bundeshauses eine Steinplatte montiert. Darin eingemeisselt sind die erforderlichen Schweizer Klimaziele. Der Bundesrat muss an seiner heutigen Sitzung zum CO2-Gesetz die Weichen für eine Klimapolitik stellen, die den Klimaschutz in der Schweiz und international endlich voranbringt. Wie dringend es ist, dass die Politik handelt, demonstrieren auch die Greenpeace-AktivistInnen, die seit Montag auf dem Gornergletscher im Wallis ausharren und dort auf den immer bedrohlicher verlaufenden Klimawandel hinweisen.</b>

<div>
	<p class="bodytext">Unübersehbar und fest im Boden vor dem
Bundeshaus verankert, steht der Stolperstein, an dem der Bundesrat
heute nicht vorbeikommen soll. Er wurde früh morgens von
Greenpeace-AktivistInnen montiert und enthält die Forderungen an
das zu revidierende CO2-Gesetz sowie an die Schweizer Klimaziele
für Kopenhagen: 40 Prozent weniger CO2-Ausstoss in der Schweiz bis
2020 und ein jährlicher Beitrag von 1,3 Milliarden Franken in einen
neu zu schaffenden internationalen Klimafonds.</p>

<p>Seit Einführung des CO2-Gesetzes ist der Klimawandel weit
rascher und dramatischer fortgeschritten als ursprünglich
angenommen, die wissenschaftlichen Prognosen mussten und müssen
weiterhin nach oben korrigiert werden. Es braucht daher ein Gesetz,
das den neusten Fakten gerecht wird und Verantwortung zeigt
gegenüber den Regionen der Welt, welche die Auswirkungen des
Klimawandels bereits mit voller Wucht zu spüren bekommen.  «Am
Klimawandel historisch mitschuldige Industrienationen wie die
Schweiz müssen jetzt klare Reduktionsvorgaben und steinharte
Währung auf den Tisch legen. Ohne diese Zusage wird sich an der
internationalen Klimakonferenz in Kopenhagen nichts bewegen», so
Alexander Hauri, Klimaexperte bei Greenpeace. «Bis heute hat der
Bundesrat beim Klimaschutz kläglich versagt. Heute muss er
beweisen, dass es ihm mit dem Klimaschutz in der Schweiz und mit
internationaler Verbindlichkeit ernst ist.»</p>

<p>Die Steinplatte mit den eingemeisselten Forderungen soll beim
Eingang zum Bundeshaus stehen bleiben und alle ein- und ausgehenden
EntscheidungsträgerInnen an ihre grosse Verantwortung für
wirkungsvollen Klimaschutz erinnern. Greenpeace-AktivistInnen
harren derweil weiter auf dem Gornergletscher im Wallis aus, um von
einem Ort des Geschehens aus den Klimawandel zu dokumentieren und
für mutiges Handeln einzustehen. Die Bevölkerung hat die
Möglichkeit, ihre Sorge ums Klima und ihren Aufruf an die Politik
auf dem Gletscher oder auf der Greenpeace-Website kundzutun.</p>

<p>Greenpeace wird den heutigen Entscheid des Bundesrates verfolgen
und sich später am Tag dazu äussern.</p>

<p class="bodytext"><strong>Kontakt</strong></p>

<p class="bodytext">Alexander Hauri, Klimaexperte Greenpeace
Schweiz: 076 399 60 61</p>

<p class="bodytext">Pressebilder</p>

<p class="bodytext"><a href="/switzerland/Templates/Planet3/Pages/de/presse/pressebilder/show-album-presse/?tx_jmgallery_pi1%5BalbumUid%5D=69&tx_jmgallery_pi1%5BimageUid%5D=876" title="Pressebilder" target="_self" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">Pressebilder von der Aktion auf dem
Bundesplatz</a></p>

<h3>Text auf der Steinplatte</h3>

<p class="bodytext">26. August 2009</p>

<p>Hier entscheidet der Bundesrat über den Schweizer Beitrag zur
Rettung des Weltklimas. Erforderlich sind: Minus 40% CO2 bis 2020
im Inland 1.3 Milliarden Franken jährlich in einen globalen
Klimafonds</p>

<h3>Weitere Informationen</h3>

<p class="bodytext">Weitere Informationen zur Klimakonferenz in
Kopenhagen und zur Aktion auf dem Gornergletscher im <a href="/switzerland/Templates/Planet3/Pages/presse/pressematerial/klima/dossier-kopenhagen/" title="Dossier" target="_self" class="internal-link" rel="noopener noreferrer">Dossier.</a></p>
</div>
Keiko, der Orca, der Willy verkörperte, wurde nach dem Film ausgewildert. (© Monika Wieland Shields/Greenpeace)

Meinen Grosseltern kann ich die Zoo-Besuche gar nicht vorwerfen. Erstens, weil sie meine Grosseltern sind. Zweitens, weil sie es ja gar nicht anders kannten, bzw. sie es nicht besser wussten. Denn ihnen allen wurden Zoos von der Gesellschaft als etwas Wunderbares verkauft – genau wie das Rauchen. Sie galten als eine Institution, die den Naturschutz gewährleistete und das Erforschen neuer Erkenntnisse im Tierbereich ermöglichte. Und vor allem als etwas, was den Enkelkindern Spass machte – auch heute ist das noch so.

Wir Schweizer drücken uns also seit Jahrzehnten die Nasen an den Scheiben platt. Der älteste Zoo unseres Landes, der «Basler Zolli», wurde bereits 1874 eröffnet. Er musste zur damaligen Zeit in der Schweiz wohl so etwas wie eine Sensation gewesen sein. Als ich das letzte Mal – vor ca. fünf Jahren – hindurch spazierte und die Tiere in ihren viel zu kleinen Gehegen sah, empfand ich ihn vor allem als eines: sensationell grauenhaft.

Das Innengehege der Pinguine im Basler Zoo. (© Zoo Basel Facebook)

Seitdem frage ich mich: Wie können wir solche Institutionen heute noch zulassen? Wir haben doch gerade in unserem Zeitalter so viel Zugang zu Material, welches uns eines Besseren belehren sollte. Netflix-Dokumentationen wie «Blackfish» beispielsweise: Diese gewährt einen Einblick in das grausame Leben von Orcas in Sea Worlds in den USA – und was die Gefangenschaft für schlimme Auswirkungen auf deren Wesen hat. Oder unzählige Videos auf Facebook, die zeigen, wie Löwen im Zirkus offensichtlich frustriert auf ihre Dompteure losgehen oder Tiger im Zoo fast schon dumpf von einem Ende des Geheges zum anderen gehen. Wir haben heutzutage sogar die Möglichkeit, im Internet schnell ein Flugticket zu kaufen, um die Welt zu reisen und die Tiere selber in freier Wildbahn zu beobachten – etwas, wovon unsere Grosseltern nur träumen konnten.

Paradoxerweise verfestigt sich das alles nicht in unserem Bewusstsein, sondern landet wieder dort, wo es her kam: Im Internet. Auf Twitter erzählen wir unseren Followern von den spannenden Dokus, die wir gesehen haben. Auf Facebook teilen wir das schockierende Video, natürlich mit einem bestürzten Smiley betitelt. Auf Instagram posten wir die Bilder unserer Safari in Südafrika, versehen mit Hashtags wie #AmazingWildlife und #LoveNature. Und im echten Leben? Die Antwort auf diese Frage liefern die jüngsten Ereignisse im Zoo Basel gleich selber: 2024 soll ein Ozeanium realisiert werden. Obwohl wir durch die heutige Technologie so gut wie nie zuvor über das Leiden der Tiere in Gefangenschaft informiert sind und in den Sozialen Medien so besorgt um das Wohl der Tiere zu sein scheinen, lassen wir es zu, dass Fische aus dem Meer geholt und in einen riesigen Tank geworfen werden. Dies alles, damit Besucher unter anderem Fotos fürs Familienalbum namens Facebook schiessen können – #Tierquälerei.

<b>Dufourspitze/Zürich. Heute morgen hissten fünf Greenpeace-Alpinisten auf der Dufourspitze ein Banner, mit dem sie gegen die Untätigkeit der Politiker in Sachen Klimawandel protestierten. Allem voran setzten sie ein Zeichen gegen die desaströsen Klimaziele des Bundesrates. Mit dem Bannertext «tck-tck-tck – Time for climate solutions» machen die Greenpeace-Bergsteiger auf den Wettlauf mit der Zeit aufmerksam: Nur noch 100 Tage bis zur alles entscheidenden Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen. Jetzt müssen die Staatschefs endlich handeln.</b>

<div>
	<p class="bodytext">Heute Nacht um 2 Uhr begannen fünf
Greenpeace-Alpinisten mit dem Aufstieg auf die  Dufourspitze. Sie
ist mit 4634 m.ü.M. der höchste Berggipfel der Schweiz. An diesem
symbolträchtigen Ort hissten sie ein Banner mit der Forderung nach
einem schnellen und wirkungsvollen Klimaschutz: «tck-tck-tck - Time
for climate solutions». Die Uhr tickt, an der entscheidenden
Klimakonferenz in Kopenhagen wird die internationale Staatenwelt
über die neu festzulegenden CO2-Reduktionsziele streiten und sich -
falls die Vernunft siegt - auf  eine drastische Reduktion der
Kohlendioxidemissionen einigen.</p>

<p>Die Zeit wird knapp. Der Klimawandel geht viel schneller
vonstatten als die Wissenschaft erwartet hat, die Prognosen werden
immer schlechter. Wenn der CO2-Ausstoss nicht sofort dramatisch
gesenkt wird und die Erderwärmung 2 Grad Celsius übersteigt, läuft
der Klimawandel völlig aus dem Ruder.</p>

<p>Doch statt taugliche Klimaziele zu verabschieden, die auf
wissenschaftliche Fakten gestützt sind, überbieten sich die Staaten
im Nichtstun. So etwa der Bundesrat: Er hat diese Woche völlig
unzureichende Klimaschutzziele bekannt gegeben und damit den
politischen Bankrott zum Klimaschutz erklärt.</p>

<p>Die schweizerische Greenpeace-Aktion ist Teil eines weltweiten
Aktionstages, an dem sich Dutzende von Umweltorganisationen
beteiligen, um auf den rasant fortschreitenden Klimawandel
aufmerksam zu machen. Ihre Forderung an alle Regierungschefs
lautet: Act now - Handelt jetzt. Denn Kopenhagen darf nicht
scheitern, der Klimaschutz muss zu einem der wichtigsten Ziele der
Staatengemeinschaft werden.</p>

<p>Momentan sind die Greenpeace-Alpinisten wieder auf dem Abstieg.
Sie werden das Basiscamp, das Greenpeace auf dem Gornergletscher
aufgeschlagen hat, voraussichtlich um 18 Uhr erreichen. Im Biwak
auf der Moräne zwischen Gorner- und Grenzgletscher setzen sich seit
letzten Montag rund 25 Greenpeace-AktivistInnen für eine drastische
Reduktion des CO2-Ausstosses ein. Mit ihrer Präsenz auf dem
Gletscher wollen sie auf die Gefährdung dieser enormen
Wasserreservoire und auf die Verletzlichkeit des Klimas aufmerksam
machen.</p>

<p>Morgen Samstag wird ein weiterer Aktionstag auf dem Gletscher
stattfinden.</p>

<p class="bodytext"><a href="/switzerland/Templates/Planet3/Pages/de/presse/pressebilder/show-album-presse/?tx_jmgallery_pi1%5BalbumUid%5D=70&tx_jmgallery_pi1%5BimageUid%5D=881" title="Pressebilder" target="_self" class="external-link-arrow" rel="noopener noreferrer">Pressebilder der Aktion zum
Downloaden</a></p>

<p class="bodytext"><strong>Kontakt</strong></p>

<p class="bodytext">Alex Hauri, Klimaexperte Greenpeace          
      Tel. 076 399 60 61</p>

<p>Anita Merkt, Greenpeace Medienstelle                  Tel. 078
791 40 20</p>

<h3>Weitere Informationen</h3>

<p class="bodytext">Weitere Informationen zur Klimakonferenz in
Kopenhagen und zur Aktion auf dem Gornergletscher im <a href="/switzerland/Templates/Planet3/Pages/de/presse/pressematerial/klima/dossier-kopenhagen/" title="Dossier" target="_self" class="internal-link" rel="noopener noreferrer">Dossier.</a></p>
</div>
Eine Visualisierung des Ozeaniums in Basel (© Facebook Ozeanium Zoo Basel)

Laut dem Zoo Basel ist alles natürlich nur halb so wild, wie er auf seiner Webseite verlauten lässt: «Der Zoo wird selbstverständlich keine Tiere im Ozeanium halten, die für die Aquarienhaltung nicht geeignet sind.» Für einige mag dies beruhigend klingen, für mich definitiv nicht. Denn worauf basiert ihr Wissen darüber, welche Tiere für Aquarien geeignet sind? Genau, auf Forschungen und Statistiken, die alle eines gemeinsam haben: Sie wurden von Menschen erstellt. Tiere haben in solchen Entscheidungen kein Wort zu sagen. Was ja logisch ist, denn das Leben ist kein «Dr. Doolittle»-Film, in welchem die Tiere sprechen können. Leider.

Wenn sie es könnten, wäre wohl eines schnell klar: Tiere brauchen uns nicht – auch wenn dies gerne behauptet wird. Beispielsweise auf der Webseite von Schweiz Tourismus, welche in der Beschreibung des Sea Lifes in Konstanz erwähnt, dass die Fische in dessen Aquarium «gerettet wurden und nicht in den natürlichen Lebensraum zurückgeführt werden können». In Einzelfällen mag dies ja stimmen. Betreffend die Massen, in welchen man die Meerestiere in den Aquarien aber vorfindet, scheint diese Behauptung eher fadenscheinig.

Der Mensch hingegen – er braucht das Tier. Nur alleine, um den eigenen Wohlstand zu sichern. Denn hinter allem, was der Mensch mit Tieren anstellt, steht immer eines: Geld. Das bewies vor kurzem abermals der Beschluss der Antarktis-Konferenz, den Antarktischen Ozean vor der Fischerei nicht zu schützen. Wieder einmal mehr war das wirtschaftliche Interesse wichtiger als das Wohl der Tiere. Anstatt uns also darum zu kümmern, dass Tiere nicht mehr eingesperrt werden, zerstören wir Schritt für Schritt auch noch ihren natürlichen Lebensraum. Anstatt uns an «Free Willy» ein Beispiel zu nehmen, landen immer wieder aufs Neue Meeresbewohner in Sea Worlds, Aquarien oder eben einem Ozeanium. Und anstatt in der Realität etwas für die Tiere zu tun, schenken wir ihnen die Aufmerksamkeit lediglich in der virtuellen Welt.

Was würden wohl Jesse und Randolph dazu sagen?

Danielle Müller studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-Jährige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.

Wenn du für die Lebewesen der Antarktis spenden möchtest, kannst du das hier. Oder informiere dich hier bei OceanCare über Petitionen, mit welchen du dich für Ozeane und Meeressäuger einsetzen kannst.