Zehn Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ist die Schweiz weit davon entfernt, mit ihrer Klimapolitik die globale Erwärmung bei 1.5°C zu begrenzen. Die Konturen der Klimapolitik der Schweiz bleiben unklar, und sie stützt sich weiterhin auf CO2-Kompensationen im Ausland. Der Bundesrat gefährdet die für den Klimaschutz wichtige Energiewende mit der Atomdiskussion.

«Der Bundesrat muss seine Klimapolitik komplett überdenken», sagt Georg Klingler, Klimaexperte bei Greenpeace Schweiz. «Trotz der enormen Betroffenheit der Menschen in der Schweiz weigern sich Bundesrat und Parlament, die Klimapolitik so zu gestalten, dass die Menschenrechte wirksam geschützt und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt werden. Damit bürden sie künftigen Generationen eine hohe Klimalast auf.»

«Die Schweiz muss sich der Herausforderung stellen. Ich erwarte von der Schweiz, dass sie sich in Belém voll und ganz für eine deutlich schnellere Reduktion der globalen Emissionen einsetzt. Als reiches Land mit hoher historischer Verantwortung muss die Schweiz überdies im Inland viel mehr tun und andere Länder auf dem Weg zu Netto-Null stärker unterstützen», schliesst Georg Klingler.

Eine zu 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035

«Innerhalb der nächsten zehn Jahren kann die Schweiz eine fast vollständig erneuerbare Energieversorgung erreichen und damit ihre CO2-Emissionen um 75 Prozent reduzieren», sagt Nathan Solothurnmann, Energieexperte bei Greenpeace Schweiz. «Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen die Wirtschaftsakteure Planungssicherheit. Die erneute Diskussion über neue Atomkraftwerke schafft Verunsicherung und kostet uns Zeit. Atomenergie passt schlecht in einen Markt, der von erneuerbaren Energien dominiert wird. Der Bau eines neuen Reaktors ist zudem finanziell ein Fass ohne Boden. Es ist unmöglich, die Atomenergie wiederzubeleben, ohne die für die Energiewende notwendigen Subventionen umzuleiten.»

«In Belém muss die Schweiz ein Arbeitsprogramm für eine gerechte Energiewende unterstützen, das darauf abzielt, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen und die Energieeffizienz weltweit zu verdoppeln», fügt Nathan Solothurnmann hinzu. «Sie muss im Inland mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie die Schritte für einen planmässigen Ausstieg aus der Atomenergie festlegt und eine zu 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung erreicht.»


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