Das Forschungsteam der Deep Arctic Expedition von Greenpeace ist seit über zehn Tagen zwischen Norwegen und Grönland unterwegs. Die Artenvielfalt in dieser kalten Umgebung ist enorm. Das Team ist voraussichtlich noch bis zum 5. Juni auf See.

Im Erkundungsgebiet am arktischen Mohns Ridge zwischen Norwegen und Grönland, einem Areal, das Norwegen künftig für den Tiefseebergbau öffnen will, erwarten die Wissenschaftler:innen zahlreiche bislang nicht dokumentierte Arten. Weitere Taucheinsätze in bis zu 3000 Meter Tiefe werden direkt live von Bord übertragen und auf der Expeditionsseite gestreamt.

Ende vergangenen Jahres entdeckten norwegische Wissenschaftler:innen im Rahmen des Forschungsprojekts MAREANO hier das mutmasslich erste Riff von Bambuskorallen. Der Fund stellt eine kleine wissenschaftliche Sensation dar. Es ist das dichteste Vorkommen dieser Korallenart ist, das jemals auf einer so grossen Fläche dokumentiert wurde. 

Die Deep Arctic Expedition will wissenschaftlich klären, ob es sich dabei tatsächlich um ein Riff handelt, wie gross das Ausbreitungsgebiet ist, welche Bambuskorallen-Arten hier wachsen und mit welchen weiteren Arten sie koexistieren. Beim 12-stündigen Taucheinsatz stiess das Wissenschaftsteam auf eine enorme Artenvielfalt im Korallengarten. 

Die deutschen Wissenschaftlerinnen Anne-Nina Lörz und Jenny Neuhaus von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sind Teil des Forschungsteams an Bord, das sich – in Kooperation mit der Universität Bergen – mit den Bambuskorallen-Gärten sowie vielen weiteren Tiefsee-Ökosystemen beschäftigt:

«Es ist einfach fantastisch, mit eigenen Augen live zu sehen, wie weit sich die zerbrechlichen Korallen entlang dieses extrem steilen Kamms am Meeresboden erstrecken und einen Lebensraum für viele weitere Tiere bieten», sagt die Tiefseebiologin Anne-Nina Lörz. 

Franziska Saalmann (v.ln.r), Jenny Neuhaus und Anne-Nina Lörz (r) untersuchen Proben aus der Tiefsee. Im Hintergrund Tiefseeroboter «Holly».
© Christian Åslund / Greenpeac

«Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue, welche Vielfalt des Lebens in der Tiefsee selbst auf kleinstem Raum zu finden ist – und was es noch alles Neues zu erforschen gibt. Mein absolutes Highlight während dieser Tauchfahrten waren die vielen Seespinnen.»

Tiefseebiologin Jenny Neuhaus ergänzt: «Ein besonderer Fund war, dass wir sehr nah beieinander gleich mehrere Seespinnen am Meeresboden beobachten konnten, die unzählige Jungtiere an ihrem Körper trugen. Bei Seespinnen übernehmen die Männchen die Brutpflege. Es sind genau solche Entdeckungen, die mich begeistern und die Tiefseeforschung so besonders machen.»

Eine der Tauchfahrten führte zum weltberühmten Hydrothermalfeld «Lokis Schloss» (Loki’s Castle). Es liegt in rund 2400 Metern Wassertiefe und ist bekannt für seine aktiven «Schwarzen Raucher» (Black Smokers) – 10 bis 15 Meter hohe Schlote, aus welchen mineralreiches, extrem heisses Wasser von bis zu 320 Grad Celsius entweicht. Hydrothermalquellen gelten als einer der wahrscheinlichsten Orte für den Ursprung des Lebens auf der Erde.

Deep Sea Arctic Expedition
Die Expedition will wissenschaftliche Erkenntnisse über die Vielfalt, die Verbreitung und die (ökologische) Vernetzung von am Meeresboden lebenden Tieren in der arktischen Tiefsee gewinnen. Im Fokus stehen gefährdete, seltene, endemische und noch nicht beschriebene Arten, die im Gebiet des Mittelatlantischen Rückens zwischen Norwegen und Grönland vorkommen. 

Die Daten können potenziell dazu beitragen, Meeresschutzgebiete in dieser Region einzurichten. Denn die Arktis ist eine Region der Erde, die sich besonders schnell durch die Klimakrise erhitzt und am wenigsten geschützt ist. Gleichzeitig wächst der Druck der Industrie auf die Politik, die Tiefsee als neue Rohstoffquelle auszubeuten. Schon längst tobt ein geopolitischer Machtkampf um die Arktis. Dabei gibt es noch viele offene Fragen rund um Ökosysteme in der Tiefsee.

Der aktuelle Standort des Forschungsschiffs sowie alle Divestreams werden auf der Deep Arctic Expedition Landingpage übertragen, Termine der Tauchgänge im Expeditionskanal auf WhatsApp angekündigt.

Zeitraum: voraussichtlich bis 5. Juni 2026

Greenpeace-Team: Greenpeace Deutschland, Greenpeace Nordic, Greenpeace International

Wissenschaftliches Team: Wissenschaftler:innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (Deutschland), der Universität Uppsala (Schweden), des Nationalmuseums für Naturwissenschaften in Madrid (Spanien), der Universität Bergen (Norwegen), sowie Meeresbiologe und Tiefsee-Fotograf Solvin Zankl (Deutschland).

Weitere Informationen

Kontakt

Roland Gysin, Medienstelle Greenpeace Schweiz, [email protected], 044 447 41 17. Es besteht die Möglichkeit für Interviews mit Mitgliedern an Bord