Atomkraftwerke benötigen riesige Mengen an Wasser zur Kühlung ihrer Reaktoren. Die AKW Gösgen und Leibstadt verbrauchen jährlich über 35 Millionen m3 Aare- und Rhein-Wasser. Das ist mehr Wasser als die Landwirtschaft in einem trockenen Sommer für die Bewässerung ihrer Felder benötigt. Das zeigt der neue Greenpeace-Bericht «Hitzewelle und Atomkraft: Wasser unter Hochspannung». Auch neue Atomkraftwerke wären auf sehr viel Wasser angewiesen. Der Gewässerschutz müsste gelockert werden.
Nächstes Jahr wird das Schweizer Stimmvolk über den Bau neuer AKW befinden. Bei der Atomfrage ist entscheidend, dass auch das Thema Wasserverbrauch von AKW berücksichtigt wird. Angesichts der klimawandelbedingten Zunahme von Hitze- und Dürreperioden stellen sich fundamentale Fragen zur künftigen Nutzung von Wasser.
«Politik und Wissenschaft haben in den bisherigen Debatten den enormen Wasserbedarf von AKW zur Kühlung ihrer Reaktoren sowie deren Auswirkungen auf die Umwelt ausgeblendet», sagt Florian Kasser, Experte für Nuklearfragen bei Greenpeace Schweiz. «Unser Bericht zeigt, dass keine der auf dem Markt verfügbaren Reaktortechnologien unsere Flüsse schonen kann.»
Die beiden mit einem Kühlturm ausgestatteten AKW von Gösgen und Leibstadt dienen als Referenz für einen allfälligen neuen Reaktor in der Schweiz. Gösgen und Leibstadt entnehmen jährlich fast 140 Millionen m3 Wasser aus der Aare und dem Rhein für die Kühlung der Reaktoren. Etwa ein Viertel des entnommenen Wassers verdunstet in den Kühltürmen. Das sind über 35 Millionen m3 pro Jahr. Zum Vergleich: Der Gesamtverbrauch der Landwirtschaft in der Schweiz für die Bewässerung wird geschätzt auf 10 Mio. Kubikmeter in einem nassen und auf 30 bis 40 Mio. Kubikmeter in einem trockenen Jahr. Die zwei Atomkraftwerke Leibstadt und Gösgen verbrauchen somit – je nach Jahr – gleich viel bis mehr als das Dreifache an Wasser wie die gesamte Landwirtschaft für die Bewässerung.
Auch neue Atomkraftwerke wären auf sehr viel Wasser angewiesen. Weil Wasser aufgrund des Klimawandels eine immer knapper werdende Ressource wird, muss davon ausgegangen werden, dass der Betrieb eines möglichen neuen Reaktors nur mit einer Aufweichung des Gewässerschutzes einhergehen kann. Die Behörden haben in der Vergangenheit die Gewässerschutzvorschriften für AKW bereits gelockert. Dabei ist der Lebensraum von Tieren und Pflanzen bereits in über zwei Dritteln der Fliessgewässer geschädigt.
Kasser: «Es ist absurd, neue AKW bauen zu wollen, die frühestens 2050 betriebsbereit sind und die ihrerseits jahrzehntelang immense Wassermengen benötigen. Die Abflussmenge der Flüsse könnte sich in den kommenden Hitzesommern erheblich verändern. Gleichzeitig dürfte der Wasserbedarf – besonders in der Landwirtschaft – stark ansteigen. Der Bau neuer AKW wird die Folgen des Klimawandels nicht mildern, sondern sogar verschärfen. Ein rascher Übergang zu erneuerbaren Energien ist die einzige Antwort auf Hitzewellen. Und der einzige Weg, um unsere Energieversorgung zu sichern.»
Neuer Greenpeace-Bericht
Hitzewelle und Atomkraft: Wasser unter Hochspannung, Greenpeace Schweiz, September 2026 LINK
Kontakt
Florian Kasser, Experte für Nuklearfragen, Greenpeace Schweiz, +41 76 345 26 55, [email protected]
Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 44 447 41 11, [email protected]

