Ein persönliches Tagebuch einer Reise, die ich nie vergessen werde: 40 Jahre nach der Tschornobyl-Katastrophe reise ich in die Ukraine – und werde zum Zeitzeugen der Überreste eines nuklearen GAU, die durch aktuelle Entwicklungen erneut zu einer konkreten Gefahr für Mensch und Umwelt geworden sind.

Wir wissen nicht, welche Krisen die Zukunft bringt. Was wir aber wissen: Atomkraft bleibt ein Risiko – im Frieden und erst recht im Krieg. Es ist fahrlässig, weiter darauf zu setzen. Deshalb stellen wir uns entschieden gegen die Pläne des Schweizer Bundesrates – hilf uns dabei.

Reise in Richtung Sperrzone

Ich sitze im Zug in Richtung Sperrzone von Tschornobyl. Vorgestern bin ich frühmorgens in Zürich aufgebrochen – durch halb Europa gereist, um mich in ein Gebiet zu begeben, das bis heute für die Folgen einer nuklearen Katastrophe steht.

In Kyjiw empfängt mich Natalia Gozak, Direktorin von Greenpeace Ukraine. Gemeinsam bereiten wir uns auf die Reise in die Sperrzone des havarierten Atomkraftwerks von Tschornobyl vor. Der Anlass ist ernst: Im Februar 2025 traf eine russische Drohne die Schutzhülle des Reaktors. Wir wollen dokumentieren, was das bedeutet – und ich will Lehren ableiten für die Schweiz, die an einer wichtigen Wegscheide steht bezüglich Energieversorgung.

Dosimeter, Schutzkleidung, Sicherheitsbriefing. Alles ist vorbereitet. Und trotzdem bleibt ein Gefühl: Anspannung.

Reisevideo 1:

Unter der Schutzhülle

Am nächsten Morgen fahren wir los. Nach mehreren Checkpoints stehen wir auf dem Gelände des Atomkraftwerks Tschornobyl.

Ich betrete den Kontrollraum von Block 4 – jenen Raum, in dem vor 40 Jahren Entscheidungen getroffen wurden, deren Folgen bis heute spürbar sind. Hier sind die Strahlenwerte bereits recht hoch.

Kurz darauf stehe ich im Innern der riesigen Schutzhülle über dem Reaktor. Eine Konstruktion so gewaltig, dass ganze Wahrzeichen wie zum Beispiel die Freiheitsstatue darin Platz hätten. Hinter mir: der notfallmässig versiegelte Reaktor, in dem noch immer hochradioaktives Material liegt. Die Strahlung ist hier nun so hoch, dass man sich hier nur ganz kurz aufhalten sollte. 

Die Strahlung ist unsichtbar – aber messbar. Und jeder zusätzliche Meter Abstand zählt.

Reisevideo 2:

Angriff auf die Sicherheit

Ein Teil der Schutzhülle ist beschädigt. Der Drohnenangriff von 2025 hat sie getroffen – genau jene Struktur, die verhindern soll, dass radioaktiver Staub in die Umwelt gelangt. Seither ist ihre Schutzfunktion stark eingeschränkt. Das ist kein theoretisches Risiko. Es ist Realität. Und es zeigt: Atomkraft ist schon in Friedenszeiten ein Klumpenrisiko – im Krieg wird sie unkontrollierbar.

Reisevideo 3:

Energie im Wiederaufbau

Ein paar Tage später besuche ich eine Kinderkrippe und ein Spital. Beide werden inzwischen mit Solarenergie betrieben. Der Wiederaufbau in der Ukraine setzt bewusst auf erneuerbare, dezentrale Lösungen: robust, unabhängig, ohne Strahlungsrisiko. Übrigens: Selbst auf dem Gelände von Tschornobyl wird heute Solarstrom produziert.

Zum Abschluss meines Besuches in der Ukraine stehe ich nochmals auf dem Maidan, dem Platz der Unabhängigkeit in Kyjiw. Unzählige Erinnerungszeichen für die Kriegsopfer säumen den Platz und machen unmissverständlich klar, was hier auf dem Spiel steht. Die Ukraine ist ein Land im Krieg – und zugleich im Wiederaufbau. Die Entscheidungen, die hier getroffen werden, sind nicht ideologisch, sondern existenziell.

Was das mit der Schweiz zu tun hat

Die Schweizer Politik steht kurz davor, neue Atomkraftwerke wieder zuzulassen. Vor wenigen Tagen kam die Empfehlung der zuständigen Kommission an den Nationalrat: Sie sagt Ja zum Bau neuer AKW. Dass sich der Nationalrat dem entgegenstellt, ist kaum zu erwarten. Damit soll die vom Volk beschlossene Energiewende umgekrempelt werden. 

Wer diese Debatte führt, ohne Orte wie Tschornobyl gesehen zu haben, unterschätzt das Risiko. Kein AKW ist gegen Krieg, Drohnen oder Sabotage gefeit. Gleichzeitig erleben wir global, wie verletzlich unsere Energieversorgung ist. Konflikte treiben Preise in die Höhe, destabilisieren Märkte und treffen uns direkt – auch hier.

Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem zentralisierter Energieformen: Sie schaffen Abhängigkeiten und Angriffsflächen.

Reisevideo 4:

Die Lehre

Die Antwort liegt auf der Hand – und wird gerade in der Ukraine umgesetzt: Eine Energieversorgung, die erneuerbar, dezentral und krisenfest ist. Eine Energieversorgung, die nicht durch einzelne Ereignisse aus dem Gleichgewicht gerät. Wegen Solar- und Windenergie werden keine Kriege geführt.

Wer heute neue Atomkraftwerke fordert, ignoriert nicht nur die Lehren, die wir aus Tschornobyl ziehen sollten – sondern auch die Realität der Gegenwart. 

Hilf uns, das Referendum gegen die Änderung des Kernenergiegesetzes zu stemmen:

AKW-Referendum-Pledge

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