Werbung beeinflusst Kaufentscheide und führt zu mehr Konsum. Dennoch bewerben Detailhändler umwelt- und klimaschädliche Tierprodukte mit grossen Werbebudgets. 18’715 Menschen fordern darum mit einer Petition ein Werbeverbot für tierische Nahrungsmittel vom Parlament. Greenpeace Schweiz hat die entsprechende Petition heute eingereicht. 

Die Produktion von Lebensmitteln aus und von Tieren wie Fleisch- und Milchprodukte hat erhebliche negative Auswirkungen auf Klima und Umwelt: Sie verursacht deutlich mehr Treibhausgase und verbraucht mehr Wasser und Land als die Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Expert:innen sind sich einig, dass der Konsum von Tierprodukten hinsichtlich der Klima- und Biodiversitätskrise deutlich reduziert werden muss. Aktuell übersteigt unser Fleischkonsum die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung um fast das Dreifache. Auch der Bund weist in seiner kürzlich veröffentlichten «Klimastrategie für Landwirtschaft und Ernährung» auf Werbung als Einflussfaktor hin und weist auch dem  Detailhandel eine wichtige Rolle im Hinblick auf eine ressourcenschonende Ernährung zu. 

Migros und Coop hingegen werben weiter für Tierprodukte, locken die Menschen mit massiven Aktionen in die Läden und kurbeln damit den Konsum an: Gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft erzielen die Detailhändler über 45 Prozent ihres Umsatzes mit Fischprodukten und rund 41 Prozent ihres Fleischumsatzes mit Aktionen. Bereits vor Weihnachten zeigte eine Greenpeace-Recherche, dass Detailhändler massive Preisreduktionen auf mitunter problematische Produkte wie Lachs anbieten.

Manipulative Techniken und grosse Budgets für Tierprodukt-Werbung

Um den Konsum von Tierprodukten zu legitimieren und zu steigern, setzen Detailhändler und Interessenorganisationen wie Proviande und Swissmilk in ihrer Werbung auf manipulative Techniken. Sie bedienen beispielsweise Stereotypen und zementieren den Konsum von Tierprodukten als Norm, wie unsere Untersuchung von 2022 zeigte. Eine Studie vom Herbst 2023 berechnete erstmals für die Schweiz, wie hoch die Emissionen des werbebedingten Mehrkonsums sind. Die Ergebnisse zeigen: Ein Werbefranken für Tierprodukte verursacht viermal mehr Treibhausgasemissionen als ein Werbefranken für vegane Ersatzprodukte. 

Das steht in krassem Gegensatz zu den eingesetzten Werbegeldern der Detailhändler: Im Jahr 2021 bewarb die Coop-Gruppe Tierprodukte mit rund sechsmal mehr Geld als vegane Ersatzprodukte, die Migros-Gruppe mit ungefähr dreimal mehr. 

«Sogar jetzt, im Veganuary, bewerben die Detailhändler Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier weiterhin. Mit dieser Werbung und Preisreduktionen setzen sie falsche Anreize und verführen Kund:innen zum Kauf von Tierprodukten. Das ist mit Blick auf die Klima- und Biodiversitätskrise unverantwortlich», sagt Barbara Wegmann, Expertin für Konsum und Werbung bei Greenpeace Schweiz. 

18’715 Personen stören sich an dieser intensiven Bewerbung von Tierprodukten als Nahrungsmittel und haben eine entsprechende Petition unterschrieben. Diese hat Greenpeace Schweiz heute morgen dem Schweizer Parlament überreicht. Die Unterzeichnenden fordern ein Verbot von:

  • Werbung für Tierprodukte durch den Detailhandel und Interessenorganisationen. Vom Werbeverbot nicht betroffen wären Landwirt:innen, die ihre eigenen Produkte bewerben. 
  • Sponsoring an öffentlichen Veranstaltungen, Orten, in Nachrichtenmagazinen und anderen Broschüren.
  • Lobbyarbeit an Schulen, in Freizeitvereinen und ähnlichen Organisationen. Betroffen wäre beispielsweise Unterrichtsmaterial, das von Interessenorganisationen, wie Swissmilk, produziert wird.
  • Subventionen für Werbung für Tierprodukte, welche in der Produktion und Haltung dem Klima und der Biodiversität schaden oder Menschenrechte verletzen!

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