Etwa fünfzig Greenpeace-Aktivist:innen protestierten am Donnerstagabend unter dem Motto «Hässig wäge heiss» auf der Limmat in Zürich. Mit einem grossen Banner an der Münsterbrücke tun sie ihren Unmut kund: Bundesrat und Parlament sollen endlich den Klima-Notstand anerkennen und sofort Massnahmen für mehr Klima- und Hitzeschutz umsetzen. Die Verharmlosung und Untätigkeit durch die Schweizer Politik ist unerträglich.

Fotos von der Demonstration

Die Temperaturen, die wir gerade erleben, sind menschengemacht. In der Schweiz ist die Durchschnittstemperatur bereits um drei Grad gestiegen, global stehen wir bei 1.4°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Eine Hitze, wie wir sie aktuell erleben, wäre vor 50 Jahren praktisch unmöglich gewesen

Die Folgen sind gravierend: Menschen werden krank und sterben an Hitze. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Während der extremen Hitze im Juni wurden 200 zusätzliche Todesfälle registriert. Die Hitze dauert an und immer mehr Menschen sterben daran. 

Auch Tiere und Ökosysteme kämpfen ums Überleben, vielerorts verlieren Landwirt:innen wegen des Wassermangels einen Grossteil ihrer Ernte. Hitze wirkt sich zudem auf die Energieversorgung aus. Das Atomkraftwerk Beznau musste diesen Sommer bereits zweimal die Produktion stoppen, Leibstadt und Gösgen laufen nur deshalb weiter, weil das UVEK die Temperaturvorschriften für das Einleiten des erhitzten Kühlwassers änderte. Die Natur leidet stark. Die Auswirkungen der Hitze und der Trockenheit auf Flüsse, Seen und Bäume sind bereits deutlich sichtbar.

100 Millionen für Notfallmassnahmen statt für klimaschädliche Autos

«Es macht uns wütend, dass die politischen Behörden, insbesondere der Bundesrat, die Hitze nicht als etwas sehen, das sie betrifft. Diese Verleugnung bringt uns in Gefahr», erklärt Georg Klingler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace Schweiz. «Was muss noch geschehen, damit die Politik endlich den Notstand anerkennt und zusätzliche Massnahmen ergreift? Der gegenwärtige klimapolitische Kurs der Schweiz führt uns ohne Zweifel in noch extremere Zeiten. Würden alle Länder so handeln wie die Schweiz, wird sich die durchschnittliche globale Erhitzung nochmals verdoppeln, unerträgliche Extreme sich vervielfachen und gefährliche Kippeffekte eintreten.» 

«Die Lösungen sind bekannt», fügt Georg Klingler hinzu. «Besser bauen, Pflegeeinrichtungen klimatisieren, Städte begrünen und Schutzräume für Abkühlung schaffen, Bodenversiegelung beseitigen, den Verkehr und das Energiesystem von Erdöl und Erdgas befreien. Doch was macht der Bundesrat? Er schenkt Importeuren von besonders klimaschädlichen Autos 100 Millionen Franken, kürzt das Gebäudeprogramm, lässt zu, dass die Bedingungen für Investitionen in Solarenergie schlechter werden und sabotiert die Energiewende, indem er die Rückkehr von Atomstrom vorantreibt. Unsere Forderung ist klar: Der Bundesrat und das Parlament müssen den Notstand endlich anerkennen. Es braucht 100 Millionen Franken für den Hitze- und Klimaschutz, statt für klimaschädliche Autos. Damit soll die Klimapolitik wieder belebt und die Bevölkerung von der Hitze entlastet werden.» 

Kontakte:

  • Georg Klingler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace Schweiz, +41 79 785 07 38, [email protected]